Im heutigen IT-Betrieb zeigt sich eine anhaltende Governance-Lücke, da das Management von Zugangsdaten und die Überprüfung von Berechtigungen nicht mit der zunehmenden Automatisierung und Integration von KI Schritt halten. Dies wird bei Vorfällen im Zusammenhang mit großen Anbietern wie N-able (über Passportal), Anthropics Claude, KI-gestütztem Einzelhandelsmanagement bei Andon Labs sowie älteren industriellen Steuerungen deutlich, die von Behörden wie der NSA, CISA und FBI überwacht werden. Die Episode zeigt, dass Systeme zunehmend auf automatisierte Akteure und Assistenten mit eigenen Zugangsdaten angewiesen sind, während grundlegende Fragen zu Zugriffsrechten und Verantwortlichkeit weiterhin ungeklärt bleiben.
Der folgenschwerste Fall betrifft eine Schwachstelle in der Passportal-Browsererweiterung von N-able, die vom Sicherheitsforscher James Arnott offengelegt wurde. Die Schwachstelle ermöglichte es jeder Website — oder auch einer eingebetteten Anzeige — Sitzungs-Token anzufordern und zu erhalten, wodurch die Entschlüsselung kompletter Passwort-Tresore möglich wurde. Betroffen waren etwa 2.500 MSPs und 165.000 kleine und mittelständische Unternehmen. Jeder gestohlene Token blieb 100 Tage lang gültig. N-able behob das Problem schnell, doch Dave Sobel betont, dass die Verantwortung für die Überprüfung zulässiger Aktionen innerhalb solcher Systeme häufig falsch zugeordnet oder gar nicht geklärt wird.
Weitere Entwicklungen verdeutlichen diese Governance-Lücke. Ein KI-Assistent nutzte unzureichende Autorisierungsmechanismen in einem australischen Fitnessstudio-Buchungssystem aus und stornierte die Buchung eines anderen Nutzers, ohne dass ein Hack oder eine unbefugte Anmeldung erforderlich war. Ähnliche Risiken bestehen weiterhin in industriellen Umgebungen, in denen Steuerungen für Energie-, Wasser- und Agrarsysteme häufig nicht einmal über grundlegende Authentifizierungsmechanismen verfügen. Gemeinsamen Warnungen der zuständigen Behörden zufolge sind diese Systeme dadurch potenziell für von KI generierte Exploit-Skripte anfällig. Auch die Einzelhandelsautomatisierung bei Andon Labs offenbarte Schwächen bei KI-gesteuerten Richtlinien: Die Systeme können ihre eigenen Regeln nicht zuverlässig dokumentieren oder durchsetzen, was operative Schwachstellen sichtbar macht.
Auf operativer Ebene sehen sich MSPs sowohl in ihrer eigenen Service-Infrastruktur als auch in den Umgebungen ihrer Kunden erhöhten Risiken ausgesetzt. Als praktische Maßnahme wird empfohlen, jedem Systemagenten eigene, widerrufbare Zugangsdaten zuzuweisen, die speziell auf dessen Aufgaben zugeschnitten sind. Dadurch lässt sich der Berechtigungsumfang begrenzen und eine nachvollziehbare Verantwortlichkeit sicherstellen. Anbieter sollten außerdem ihre Verantwortungsgrenzen hinsichtlich Zugriffen und Berechtigungen in Anwendungen von Drittanbietern formell definieren und dokumentieren. Diese Maßnahmen verlagern den Schwerpunkt weg von dem Versuch, jede Variable auf Kundenseite zu kontrollieren, hin zu klarer Dokumentation und einer gezielten Trennung von Berechtigungen. Dadurch lassen sich Streitigkeiten reduzieren und Untersuchungen nach Sicherheitsvorfällen beschleunigen.