Technologiebranche: MSP-News für IT-Dienstleister & Systemhäuser

Personalgewinnung bei MSPs: KI hat die Ausbildung am Arbeitsplatz verdrängt

Episode Notes

Die Episode dokumentiert einen strukturellen Wandel im Bereich Managed IT Services: Automatisierung und KI verdrängen sowohl einfache als auch fortgeschrittene technische Tätigkeiten und schwächen so die traditionelle Qualifikationspyramide innerhalb der Managed Service Provider-Organisationen. Diese Entwicklung wird durch Plattformen wie IgnitHQ und Rewst veranschaulicht, die KI-basierte Automatisierung für das Schließen von Support-Tickets und das Erstellen von Workflows einsetzen, sowie durch Hersteller wie Pax8 und Automated Edge, die hochqualifizierte KI-Expertise als Dienstleistung vermarkten. Branchenanalysen wie die von Forrester und die Reaktion von CompTIA bestätigen die umfassende Disruption traditioneller Personalkonzepte und Weiterbildungsmodelle.

IgnitHQ meldet, dass bei einem Viertel der Partner KI Support-Tickets ohne Technikerintervention schließt, während ServiceNows Plattform Thrive die Verbindungszeit zu Technikern von sechs auf unter eine Minute senkt und große Teile der Ingenieurs-Arbeitszeit auf höherwertige Tätigkeiten verlagert. Rewst konstatiert, dass 80% der Automatisierungen ihrer Early-Adopter direkt in Chatbots und nicht mehr von Technikern erstellt werden. CEO Aharon Chernin und weitere Stimmen betonen, dass damit "nicht der Managed Service Provider das Produkt nutzt, sondern Claude". Laut einer KPMG-CEO-Umfrage gestalten Großunternehmen aktiv neue Rollenprofile zur Einbindung von KI, während kleinere Dienstleister meist ungeplant von der Automatisierung betroffen sind.

Weitere Entwicklungen bestätigen diese Verschiebung an beiden Enden der Qualifikationsskala: CompTIA plant die Einführung der AgentOps+-Zertifizierung für KI-Agenten-Governance, erkennt aber derzeitige Lücken bei verantwortungsvollen Praktiken an. Parallel setzt sich das Modell durch, anspruchsvolle KI-Operationen an Hersteller wie Automated Edge auszulagern — der interne Kompetenzaufbau wird so umgangen. Die Episode hebt hervor, dass Thrive nach Einführung von KI den Einsatz von 32 Ingenieuren im First-Level-Support beendete und gezielt umstrukturiert hat.

Für Managed Service Provider und IT-Führungskräfte bedeutet dies eine wachsende Abhängigkeit von herstellergetriebener Automatisierung bei gleichzeitig zunehmender Governance-Lücke in der Qualifikationsentwicklung. Ohne gezielte Maßnahmen — etwa die bewusste Zuweisung von Tickets an Junior-Techniker, Wissenstransferklauseln in Herstellerverträgen oder die explizite Ausgestaltung neuer mittlerer Rollen — drohen technisches Know-how und Organisationswissen zu Externen oder ganz zu verloren zu gehen. Die Episode macht deutlich, dass hier nicht nur Servicequalität oder Effizienz betroffen sind, sondern auch die langfristige Sicherung betriebsrelevanter Expertise.